Ham­burg — Wann zeigst du end­lich, wie nach­hal­tig du bist?

Der Ham­bur­ger Senat hat sich 2017 ehr­gei­zi­ge Zie­le für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung der Stadt gesteckt. Doch wo steht Ham­burg und wie las­sen sich die­se Zie­le effek­tiv mes­sen? Das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg legt mit einem Ziel- und Indi­ka­to­ren­sys­tem einen kon­kre­ten Vor­schlag vor und appel­liert an die Entscheidungsträger*innen der Stadt, ins Han­deln zu kom­men und der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung Ham­burgs höchs­te Prio­ri­tät einzuräumen.

Ham­burg, Sep­tem­ber 2021: Das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg for­dert, dass sich der Ham­bur­ger Senat end­lich behör­den­über­grei­fend um die Ein­füh­rung eines Ziel- und Indi­ka­to­ren­sys­tems für die Sus­tainab­le Deve­lo­p­ment Goals (SDGs) der Ver­ein­ten Natio­nen bemüht. Die­ses Vor­ha­ben soll­te laut „SDG-Druck­sa­che“ (21/9700) des Senats bereits 2018 erreicht wer­den, ist jedoch bis heu­te nicht umge­setzt. Daher unter­brei­tet das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg (NFH) der zustän­di­gen Umwelt­be­hör­de einen kon­kre­ten Vor­schlag für ein sol­ches Sys­tem. Nun geht es dar­um, dass Ham­burg ein aus­sa­ge­kräf­ti­ges Moni­to­ring und Repor­ting auf den Weg bringt, ehr­gei­zi­ge Zie­le defi­niert und sich an die­sen mes­sen lässt.

In Ham­burg wird seit eini­gen Jah­ren über die loka­le Umset­zung der UN-Nach­hal­tig­keits­zie­le dis­ku­tiert – bis­her lei­der jedoch mit weni­gen Ergeb­nis­sen. Die­ser Umstand zeigt nur eines der vie­len Defi­zi­te, die in Ham­burg in Bezug auf Nach­hal­tig­keit vor­herr­schen. Ein gro­ßes Pro­blem liegt in der dün­nen Per­so­nal­be­set­zung der ver­ant­wort­li­chen Stabs­stel­le Nach­hal­tig­keit der grün geführ­ten Umwelt­be­hör­de, die bis­her allein ver­ant­wort­lich für alle städ­ti­schen Initia­ti­ven ist, die die SDGs betref­fen. Dabei ist der Weg einer nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung der Stadt nur unter gemein­sa­men Anstren­gun­gen aller Behör­den und Entscheidungsträger*innen zu begehen.

Um die Ein­füh­rung eines Moni­to­ring- und Reporting­sys­tems vor­an­zu­trei­ben, hat das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg (NFH) als zivil­ge­sell­schaft­li­ches Gre­mi­um einen detail­liert aus­ge­ar­bei­te­ten Vor­schlag von Zie­len und Indi­ka­to­ren an die zustän­di­ge Stabs­stel­le Nach­hal­tig­keit der BUKEA über­ge­ben. In die­sem Vor­schlag sind ins­ge­samt 44 Schwer­punk­te mit jeweils meh­re­ren Indi­ka­to­ren auf­ge­lis­tet, die Ham­burg in ein Moni­to­ring ein­flie­ßen las­sen kann. Für eine bes­se­re Hand­hab­bar­keit der Indi­ka­to­ren haben die Mit­glie­der des NFH eine Prio­ri­tä­ten­lis­te erstellt, die aus jedem Hand­lungs­schwer­punkt jeweils einen prio­ri­tä­ren Indi­ka­tor für den Start eines Moni­to­ring­sys­tems aus­weist. Die­se prio­ri­sier­te Indi­ka­to­ren­lis­te kann hier ein­ge­se­hen werden:

Vor­schlag NFH: Prio­ri­sier­te Ziel- und Indi­ka­to­ren­lis­te für die SDGs in Hamburg

Es gibt aus­rei­chend Bei­spie­le eines funk­tio­nie­ren­den Moni­to­rings von Nach­hal­tig­keits­zie­len, an denen sich das NFH bei der Erstel­lung des Ziel- und Indi­ka­to­ren­sys­tems ori­en­tiert hat: Auf natio­na­ler Ebe­ne gibt es die deut­sche Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie, die anhand von meh­re­ren Indi­ka­to­ren pro SDG im zwei­jäh­ri­gen Tur­nus die Umset­zung der 17 Nach­hal­tig­keits­zie­le doku­men­tiert. Es gibt ver­schie­de­ne Bun­des­län­der, die eine Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie ein­ge­führt haben und regel­mä­ßi­ge Bericht­erstat­tung durch­füh­ren. Es gibt die SDG-Indi­ka­to­ren für Kom­mu­nen, die bereits in einer 2. über­ar­bei­te­ten Auf­la­ge im Novem­ber 2020 erschie­nen sind und pro­blem­los über­nom­men wer­den kön­nen. Und nicht zuletzt gibt es die „Ham­bur­ger Ent­wick­lungs­in­di­ka­to­ren Zukunfts­fä­hig­keit“ – kurz HEINZ – die seit 2003 vom Ham­bur­ger Zukunfts­rat ver­öf­fent­licht wer­den. Trotz alle­dem hat es Ham­burg bis heu­te nicht geschafft, ein Moni­to­ring- und Reporting­sys­tem für die SDGs ins Leben zu rufen.

Ein sol­ches Sys­tem ist von gro­ßer Rele­vanz, wenn es um nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung geht: Ziel­wer­te für ein­zel­ne Indi­ka­to­ren bie­ten eine kla­re Rich­tung, ein regel­mä­ßi­ges Moni­to­ring zeigt den Umset­zungs­stand und kann dazu die­nen, bei nega­ti­ven Trends und Off-Track-Indi­ka­to­ren früh­zei­tig ein­zu­grei­fen und gegen­zu­steu­ern sowie wei­te­re Maß­nah­men zur Ziel­er­rei­chung in die Umset­zung zu brin­gen. Das Auf­zei­gen der Fort­schrit­te auf dem Weg zur Errei­chung der SDGs macht abbild­bar, wie kon­se­quent und ernst Ham­burg mit nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung umgeht. Der Ham­bur­ger Senat muss sich an den selbst gesteck­ten Zie­len aus Druck­sa­che und Koali­ti­ons­ver­trag mes­sen lassen:

Ham­burg stellt sich sei­ner Ver­ant­wor­tung zur Umset­zung der SDGs und ori­en­tiert sich dabei an der im Sep­tem­ber 2015 von den Ver­ein­ten Natio­nen ver­ab­schie­de­ten Agen­da 2030 mit 17 Zie­len und 169 Unter­zie­len für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung.“ – Druck­sa­che 21/9700, S.2

„Ham­burg setzt die Agen­da 2030 der Ver­ein­ten Natio­nen mit ihren 17 Nach­hal­tig­keits­zie­len um. Die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen dau­er­haft zu erhal­ten und allen Men­schen ein Leben in Wür­de zu ermög­li­chen, ist maß­ge­ben­des Ziel für den Senat.“ – Koali­ti­ons­ver­trag 22. Legis­la­tur­pe­ri­ode, S.84

Das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg for­dert, dass sich der Ham­bur­ger Senat end­lich behör­den­über­grei­fend um die Ein­füh­rung eines Ziel- und Indi­ka­to­ren­sys­tems für die SDGs in Ham­burg bemüht. Der ein­ge­reich­te Vor­schlag der SDG-Indi­ka­to­ren des NFH ist nur ein ers­ter Schritt auf die­sem Weg, nun müs­sen die Entscheidungsträger*innen die­ser Stadt ins Han­deln kom­men und der nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung Ham­burgs höchs­te Prio­ri­tät einräumen.

Nach­klapp März 2022:

Der Vor­schlag des NFH für ein SDG-Indi­ka­to­ren­set für Ham­burg liegt zur Sich­tung bei der zustän­di­gen Stabs­stel­le Nach­hal­tig­keit der BUKEA sowie den Teil­neh­men­den des behör­den­über­grei­fen­den SDG-Arbeits­krei­ses. Die Mit­glie­der des NFH sind sich bewusst, dass nicht alle vor­ge­schla­ge­nen Indi­ka­to­ren in die­ser Form und gleich­zei­tig in ein Moni­to­ring über­führt wer­den kön­nen. Die Indi­ka­to­ren sol­len als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge für den Start eines SDG-Moni­to­rings für Ham­burg die­nen und einen Pro­zess in Gang set­zen, in dem nach und nach ein­zel­ne Behör­den aus­sa­ge­kräf­ti­ge Indi­ka­to­ren über­neh­men oder ent­wi­ckeln, die die nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in Ham­burg  sicht­bar und mess­bar machen.

Das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg steht wei­ter­hin in engem Aus­tausch mit der Stabs­stel­le Nach­hal­tig­keit der BUKEA bezüg­lich des wei­te­ren Vor­ge­hens zur Imple­men­tie­rung eines Indi­ka­to­ren- und Moni­to­ring­sys­tems für die SDGs in Hamburg.

Veranstaltungen 

Verwandte Beiträge