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neue Sprecherin des Nachhaltigkeitsforums Hamburg: Samia Kassid vom World FUture Council (WFC)

Aufgewachsen zwischen zwei Kulturen, haben Samia Kassid die Themen der Gleichberechtigung, Freiheit und Menschenrechte sowie Bekämpfung von Armut und Ungerechtigkeiten immer begleitet. Privat und beruflich engagiert sich Samia bereits seit Jahrzehnten in der Entwicklungszusammenarbeit und vor allem für die Rechte von Mädchen, Jungen und jungen Menschen. Bei der Hamburger Stiftung World Future Council (WFC) leitet sie das Programm “Die Rechte von Kindern und Jugendlichen”.  Der WFC setzt sich in seiner holistischen Arbeit für die Realisierung aller SDGs ein, damit unseren Kindern und Enkeln ein gesunder, nachhaltiger Planet mit gerechten und friedlichen Gesellschaften übergeben werden kann. Um dies zu erreichen, identifiziert, entwickelt, beleuchtet und verbreitet der WFC zukunftsgerechte politische Lösungen und fördert deren Umsetzung weltweit.

Zusätzlich engagiert sich Samia auf lokaler Ebene mit ihren Ratskolleg*innen im Rat für nachhaltige Entwicklungspolitik (RANEP), der den Hamburger Senat zu Fragen der Hamburger Entwicklungspolitik berät und mit Nachhaltigkeitsthemen verlinkt.

Samia, für welche SDGs setzt du dich mit deiner Organisation hautpsächlich ein und wie kannst du das in die Arbeit des NFH und nun als Sprecherin Einbringen?

Für mich persönlich sind alle SDGs wichtig, aber die SDGs 1, 2, 3, 4, 5, 8, 12, 13 und 16 haben eine besondere Relevanz, denn deren Umsetzung ist untrennbar mit der Realisierung aller Kinderrechte und der Rechte zukünftiger Generationen verbunden. Als Co-Sprecherin des NFH werde ich immer versuchen, die Kinderrechtsperspektive einzubringen und dafür zu sensibilisieren. Alle Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, beeinflussen die Rahmenbedingungen für die kommenden Generationen! Bestes Beispiel sind die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID 19-Pandemie, die sehr deutlich zeigen, wie wenig die Kinder- und Jugendperspektive auf der Agenda stand und immer noch steht. Viele Folgen sind jetzt schon sichtbar. Weitere Schwerpunkte, die ich gern mit einbringe, sind u.a. Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie soziale und Klimagerechtigkeit.

Wie bewertest du den Umsetzungsstand der sdgs in Hamburg?

Die Senatsdrucksache „Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in Hamburg“ aus dem Jahr 2017 ist der Hamburger Weg zur Umsetzung der Agenda 2030. Vieles wird angegangen, aber es gibt noch viel zu tun. Eine Nachhaltigkeitsstrategie stünde unserer Stadt gut. Nach wie vor sind vielen Hamburger*innen die Nachhaltigkeitsziele nicht bekannt. Digitalisierung und nachhaltige transformative Bildung kommen nur schleppend voran.

Worin siehst du die größten  Hebelpunkte  Und Potentiale für nachhaltige Entwicklung in Hamburg?

Wir haben einige regulatorische Rahmenbedingungen, die viel Potenzial besitzen, nachhaltige Entwicklung in Hamburg voranzutreiben. Und genau dort sehe ich große Hebelpunkte, an denen das NFH auch ansetzen kann. Dazu gehören u.a. die Weiterentwicklung und Umsetzung von Indikatoren zur Messung des Fortschritts bei der Umsetzung der SDG, die Umsetzung des Masterplans Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Fortschreibung des Hamburger Klimaplans, faire und nachhaltige öffentliche Beschaffung voranzutreiben sowie eine inklusive Beteiligung von Zivilgesellschaft und Bürger*innen einschließlich junger Menschen zu ermöglichen.

Was sind aus deiner Sicht die notwendigen nächsten Schritte für die Umsetzung der SDGs in Hamburg?

Dort, wo zukunftsgerechte politische Maßnahmen erfolgreich umgesetzt sind, sind politischer Wille, Transparenz, solide Finanzierung sowie der Austausch und die Zusammenarbeit aller Akteur*innen wichtige Indikatoren. Daher wünsche ich mir für unsere Stadt, dass sich der Trend einer behördenübergreifenden Zusammenarbeit und die Einbindung der Zivilgesellschaft verstetigt. Wenn politischer Wille keine reine Rhetorik bleiben soll, müssen mehr Ressourcen für nachhaltige Entwicklung, vor allem finanzielle, langfristig und zuverlässig bereitgestellt werden. Bei allen Beratungen und Diskussionen ist jedoch die Einbindung der Sichtweise von Kindern und jungen Menschen entscheidend. Das Wohl des Kindes sollte die Maxime sein!

Was ist deine persönliche Vision für Hamburg im Jahr 2030?

Hamburg ist eine schöne, grüne und lebenswerte Stadt, und ich wünsche mir für unsere Stadt, dass wir die gesetzten Ziele von Nachhaltigkeit und Klimaneutralität schon vor 2030 umsetzen und unserer globalen Verantwortung als „Tor zur Welt“ weiter ernst nehmen und weiterentwickeln. Dass alle hier lebenden Menschen sich integriert und sicher fühlen und als Teil des Ganzen verstehen. Dass keine und keiner zurückgelassen wird und vor allem Kinder und junge Menschen Rahmenbedingungen vorfinden, die sie schützen und ihr Potenzial entfalten. Ich wünsche mir für die kommenden Jahre, dass Hamburger*innen, die Hamburger Wirtschaft und Politik durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und eine gute nachhaltige und soziale Politik die Relevanz der Agenda 2030 verstehen und selbst aktiv zu ihrer Realisierung beitragen.

Vielen Dank, Samia! Wir freuen uns auf die nächsten zwei jahre mit dir als Sprecherin!

Die Fragen und das Interview wurden vorbereitet von Elvira Hinz, wissenschaftliche Referentin des NFH.