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neuer Sprecher des Nachhaltigkeitsforums Hamburg: Kai-Oliver Farr vom Rat für nachhaltige Entwicklungspolitik (RANEP)

Als Mitglied im Rat für nachhaltige Entwicklungspolitik (RANEP) des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, berät Kai-Oliver Farr gemeinsam mit seinen Ratskolleg*innen als unabhängige Expert*innen den Hamburger Senat zu Fragen der Entwicklungspolitik, der Nachhaltigkeit und der Umsetzung der UN-Agenda 2030. Dabei gibt der RANEP entweder Empfehlungen zu bestimmten, vom Hamburger Senat gestellten Fragen oder befasst sich im Rahmen des Initiativrechts mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung, die die Ratsmitglieder für wichtig halten.

Zu den Themen gehörten und gehören beispielsweise der Faire Handel, eine sozialverträgliche öffentliche Beschaffung, sozial verantwortliches Wirtschaften, ein nachhaltiges Finanz-Management der FHH, die Städte- und Entwicklungspartnerschaften von Hamburg mit Dar es Salaam (Tansania) und Léon (Nicaragua), entwicklungspolitische Förderrichtlinien der FHH, Migration und Flucht, Globales Lernen sowie die Umsetzung der UN-Agenda 2030 in Hamburg und das Thema Nachhaltigkeitsindikatoren – jeweils bezogen auf Hamburgs globale Verantwortung.

Kai-Oliver, für welche SDGs setzt du dich mit deiner Organisation hautpsächlich ein und wie kannst du das in die Arbeit des NFH und nun als Sprecher Einbringen?

Mein Thema ist die globale Verantwortung: Welche Auswirkungen hat unser Handeln in Hamburg auf andere Länder und die großen Herausforderungen der Weltgemeinschaft, die mit der UN-Agenda 2030 adressiert werden? Als Co-Sprecher des NFH werde ich daher immer versuchen, diese globale Perspektive einzubringen und die Relevanz und Notwendigkeit von Maßnahmen Hamburgs zur Umsetzung der SDGs in den internationalen Kontext zu stellen.

Wie bewertest du den Umsetzungsstand der sdgs in Hamburg?

Der Umsetzungsstand ist unterschiedlich je nach politischen Aufgabenschwerpunkten, bei denen ja in der Regel mehrere SDGs ins Spiel kommen. Generell lässt sich sagen, dass vor allem bei den sogenannten off-track-Indikatoren, also Indikatoren jener Nachhaltigkeitsziele, bei denen die Trendentwicklung eine mögliche Zielverfehlung aufweist und daher besonders dringender Handlungsbedarf besteht, unbedingt nach- bzw. gegengesteuert werden muss. Das wäre, auf Hamburg bezogen, beispielsweise bei allen SDGs der Fall, die das Thema Boden/ Bodenschutz betreffen: Flächenversiegelung, Nährstoffeinträge, Boden als CO2-Speicher, als Lebensraum für Biodiversität, als unsere Lebensgrundlage (Landwirtschaftliche Nutzung) etc.. Auch bei der Umsetzung von SDG 4.7 (Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen) sehe ich noch große Defizite: Nachhaltigkeit ist noch längst nicht in allen Bildungsbereichen angekommen bzw. verankert, weder im schulischen (wo ist das Unterrichtsfach Klimaschutz?), noch im außerschulischen Bereich oder in der Hochschule.

Worin siehst du die größten  Hebelpunkte  Und Potentiale für nachhaltige Entwicklung in Hamburg?

Aus meiner Sicht ist das geplante Nachhaltigkeits-Monitoringsystem mit Zielen und Indikatoren von entscheidender Bedeutung – denn wenn man sich nicht genau überlegt hat, in welchen Bereichen, mit welchem Ziel und in welcher Zeitspanne man sich nachhaltig entwickeln will, und sich selbst dazu verpflichtet, dies auch umzusetzen, bleibt nachhaltige Entwicklung reine Rhetorik und Absichtserklärung.

Hier hat das NFH mit seinem Vorschlag einer „Ziele- und Indikatorenliste für ein Monitoringsystem zur Umsetzung der Agenda 2030 in Hamburg“ einen wichtigen Aufschlag gemacht und wird die Hamburger Behörden bei der Umsetzung weiter beraten und kritisch begleiten.

Was sind aus deiner Sicht die notwendigen nächsten Schritte für die Umsetzung der SDGs in Hamburg?

Ein wichtiger Schritt wird die Abstimmung zwischen den verschiedenen Hamburger Behörden zu dem gerade genannten Monitoringsystem mit Nachhaltigkeitsindikatoren und vor allem dessen Umsetzung sein.

Was ist deine persönliche Vision für Hamburg im Jahr 2030?

Ich wünsche mir für Hamburg (auch schon vor) 2030 eine solidarische, inklusive und weltoffene Stadtgesellschaft, Klimaneutralität in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, eine echte Verkehrswende und internationale Partnerschaften, in denen man auf Augenhöhe voneinander lernt.

Vielen Dank, Kai-Oliver! Wir freuen uns auf die nächsten zwei jahre mit dir als Sprecher!

Die Fragen und das Interview wurden vorbereitet von Elvira Hinz, wissenschaftliche Referentin des NFH.