NACHHALTIGKEITSFORUM HAMBURG FORDERT: NO MORE EMPTY PROMISES!

Etwa ein Jahr nach der Wie­der­wahl des rot-grü­nen Senats fällt das Resü­mee für die Nach­hal­tig­keits­po­li­tik in Ham­burg ein wei­te­res Mal unzu­rei­chend aus: Ham­burgs An-stren­gun­gen für die Umset­zung der UN-Nach­hal­tig­keits­zie­le müs­sen um ein Viel­fa­ches erhöht wer­den, glei­ches gilt für die Klimaziele.

Ham­burg, 19. März 2021 – Fri­days for Future ruft heu­te zum sieb­ten glo­ba­len Kli­ma­st­reik auf. Das Nach­hal­tig­keits­fo­rum Ham­burg unter­stützt die Akti­on mit einem Pres­se­ge­spräch und for­dert eben­falls vom Senat: No More Empty Pro­mi­ses! Die gesteck­ten Nach­hal­tig­keits­zie­le müs­sen vom Ham­bur­ger Senat mit kon­kre­ten und kon­ti­nu­ier­li­chen Maß­nah­men ver­folgt wer­den. Auch bei den Ham­bur­ger Kli­ma­zie­len, die das NFH als einen Teil der UN-Nach­hal­tig­keits­zie­le ansieht, besteht Nach­hol­be­darf. Der Weg einer nach­hal­ti­gen Ent­wick­lung der Han­se­stadt kann nicht als Ziel­sprint gelin­gen, son­dern muss als Lang­stre­cken­lauf kon­ti­nu­ier­lich und mit geball­ter Kraft aller Res­sorts began­gen wer­den. Die UN-Deka­de des Han­delns (2021–2030) läuft bereits, es gibt kei­ne Zeit zu verlieren!

Teil­neh­men­de des NFH-Pres­se­ge­sprächs am 19.03.2021 anläss­lich des glo­ba­len Kli­ma­st­reiks: Mode­ra­tor Dr. Johan­nes Merck (UMO), Dr. Delia Schind­ler (Spre­che­rin NFH), Dr. Kai Hüne­mör­der (Spre­cher AG Kli­ma NFH), Prof. Dr. Danie­la Jacob (GERICS), Prof. Dr. Wer­ner Beba (CC4E, HAW Hamburg)

Die Stadt Ham­burg nahm die Ver­ab­schie­dung der Nach­hal­tig­keits­zie­le durch die Ver­ein­ten Natio­nen, der Sus­tainab­le Deve­lo­p­ment Goals (SDG), im Jahr 2015 zum Anlass, um einen eige­nen Fahr­plan zur Umset­zung der SDG auf­zu­stel­len: Mit der Senats­druck­sa­che 21/9700, dem Ham­bur­ger Kli­ma­plan und dem Koali­ti­ons­ver­trag des aktu­el­len Senats wur­den hohe Zie­le für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung der Han­se­stadt gesteckt. Doch auf die vie­len Absichts­be­kun­dun­gen fol­gen kei­ne aus­rei­chen­den Maß­nah­men, um eine schlag­kräf­ti­ge Nach­hal­tig­keits­po­li­tik über Legis­la­tur­pe­ri­oden hin­aus umzusetzen.

Es braucht mehr kon­kre­te Res­sour­cen, um die erfor­der­li­chen Struk­tu­ren behör­den- und res­sort­über­grei­fend auf- und aus­zu­bau­en. „Der Senat hat die zustän­di­ge Umwelt­be­hör­de weder per­so­nell, finan­zi­ell oder stra­te­gisch genü­gend für ein effek­ti­ves Manage­ment der SDG aus­ge­stat­tet – und zwar schon seit Jah­ren“, sagt Dr. Delia Schind­ler, eine der drei Sprecher*innen des Nach­hal­tig­keits­fo­rums Ham­burg und Vor­stän­din der Ham­bur­ger Kli­ma­schutz­stif­tung. „Zudem ist die Umwelt­be­hör­de nicht in der Lage, das Quer­schnitts­the­ma in den ande­ren Behör­den zu plat­zie­ren oder auch nur annä­hernd zu steu­ern. Dies müss­te die Senats­kanz­lei bezie­hungs­wei­se der Bür­ger­meis­ter tun – so, wie es beim The­ma Digi­ta­li­sie­rung auch orga­ni­siert ist.“

Der Senat beschloss zwar vor mehr als einem Jahr kon­kre­te CO2-Min­de­rungs­zie­le für alle Sek­to­ren. Ohne eine künf­tig weit­aus höhe­re Nut­zung von Wind- und Solar­ener­gie dürf­ten die­se aber ver­fehlt wer­den“, so Dr. Kai Hüne­mör­der, Mit­glied des NFH und Lei­ter des Zen­trums für Energie‑, Was­ser- und Umwelt­tech­nik. „Neue, star­ke Fach­al­li­an­zen könn­ten dem benö­tig­ten Auf- und Aus­bau kli­ma­scho­nen­der Ener­gie­sys­te­me in Gebäu­den einen wesent­li­chen Schub ver­lei­hen: Wenn etwa Bau­ver­ant­wort­li­che, Woh­nungs­wirt­schaft und enga­gier­te Kli­ma­wen­de­tech­ni­ke­rin­nen und ‑tech­ni­ker des Bau- und Aus­bau­hand­werks an einem Strang zie­hen, wird dies die Ent­wick­lung der Han­se­stadt hin zur Kli­ma­neu­tra­li­tät maß­geb­lich vorantreiben.“

Nach­hal­tig­keits- und Kli­ma­po­li­tik soll­ten kon­kre­te Ziel­wer­te ver­fol­gen, die in Ham­burg für die SDG zum gro­ßen Teil feh­len, und für den Kli­ma­schutz zu kurz gegrif­fen sind. Nach aktu­el­ler wis­sen­schaft­li­cher Debat­te muss sich die Stadt bis 2030 auf eine Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen um 65% im Ver­gleich zum Basis­jahr 1990 ein­stel­len, statt mit dem bis­her ange­peil­ten Ziel von 55% wei­ter­zu­ar­bei­ten. Zusätz­lich bedarf es eines kon­kre­ten und regel­mä­ßi­gen Indi­ka­to­ren- und Moni­to­ring­sys­tems, um Fort­schrit­te, aber auch mög­li­che nega­ti­ve Trends und Eng­päs­se in kür­ze­ren Abstän­den mess- und sicht­bar zu machen. Ein sol­ches Moni­to­ring­sys­tem für die SDG soll­te schon längst auf den Weg gebracht wor­den sein und ist drin­gend erforderlich.

Ham­burg als inter­na­tio­nal rele­van­ter Wirt­schafts- und Wis­sen­schafts­stand­ort hat eine glo­ba­le Ver­ant­wor­tung inne, wenn es um Kli­ma­schutz geht. Aber auch die loka­le Kli­ma­fol­gen­an­pas­sung ist für die Hafen­stadt von immenser Bedeu­tung, um auf stei­gen­de Über­hit­zung und Was­ser­pe­gel sowie Bio­di­ver­si­täts­ver­lust im urba­nen Raum reagie­ren zu kön­nen. Dabei gilt es, neben den bereits beschlos­se­nen Maß­nah­men im Ham­bur­ger Kli­ma­plan, die vor­han­de­nen Poten­tia­le effek­ti­ver aus­zu­schöp­fen und die Wir­kungs­kraft zu vergrößern.

Letzt­lich müs­sen wir das in Paris ver­ab­schie­de­te 1,5°C‑Ziel errei­chen. Denn Stu­di­en haben gezeigt, dass nur ein hal­bes Grad mehr sehr deut­li­chen Ein­fluss zum Bei­spiel auf die Häu­fig­keit und die Inten­si­tät von Extrem­ereig­nis­sen wie Hit­ze­wel­len, Dür­ren und Stark­re­gen hat. Wir spü­ren die­se Kon­se­quen­zen ganz kon­kret in den letz­ten Jah­ren“, betont Prof. Dr. Danie­la Jacob, Direk­to­rin des Cli­ma­te Ser­vice Cen­ters Ger­ma­ny (GERICS). „Eine iso­lier­te Betrach­tung von Kli­ma­an­pas­sung oder Kli­ma­schutz reicht aller­dings nicht aus. Die Coro­na-Kri­se hat gezeigt, wie sehr es bei der Bewäl­ti­gung von glo­ba­len Her­aus­for­de­run­gen auf eine sys­te­mi­sche Her­an­ge­hens­wei­se ankommt. Es gilt nun, die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen für einen trans­for­ma­ti­ven Wan­del hin zu einer ins­ge­samt CO2-armen, kli­ma­an­ge­pass­te­ren, gerech­te­ren und nach­hal­ti­ge­ren Gesell­schaft zu nutzen.“

Ham­burg hat die Chan­ce, eine Vor­rei­ter­rol­le auf dem Weg zur Kli­ma­neu­tra­li­tät ein­zu­neh­men. Dies muss im Ver­bund mit den wei­te­ren nord­deut­schen Küs­ten­län­dern erfol­gen, um eine kli­ma­freund­li­che Ener­gie­ver­sor­gung basie­rend auf grü­nem Strom in allen Sek­to­ren Indus­trie, Ver­kehr, Haus­hal­te und Wär­me­ver­sor­gung zu rea­li­sie­ren“, ver­deut­licht Prof. Dr. Wer­ner Beba, Lei­ter des CC4E an der HAW Ham­burg und Koor­di­na­tor NEW 4.0 – Nord­deut­sche Ener­gie­Wen­de. „Die­sen Pfad hat das Groß­pro­jekt NEW 4.0 vor­ge­zeich­net und wird von dem begin­nen­den Groß­pro­jekt Nord­deut­sches Real­la­bor mit dem Schwer­punkt Was­ser­stoff wei­ter vor­an­ge­trie­ben. Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Poli­tik müs­sen hier­zu ein star­kes Bünd­nis bilden.“

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